7. Juni 2003

Ostsee-Idylle

Ein Parkplatz an der Ostsee. Autos an Autos. Wohnmobile an Wohnmobilen, wie Sardinenbüchsen aneinandergereiht. Die Fussballreportage zum Mithören von Fenster zu Fenster, der Streit zwischen Paaren, das Schlabbern des Wassers des Hundes von nebenan.

Ein Mädchen mit prallem Busen, mit knappen grünen Kappen bedeckt, am Rücken ein grosses Tatoo, steigt ein ins Auto daneben. Sieht aus wie Flügel, da eintätowiert in die feine Haut. Standarddekos auf Lebzeit eingebrannt.

Üppige Hitze brütet über dem Platz, in den Mobilen stöhnen nackte Körper und dösen benommen dahin. Am Strand nisten die Massen in Strandkörben und starren auf das kühlende Nass. Jeder Meter ist verplant, mit Gebühren belegt und dies nicht zu knapp. Im Wasser schwimmen die Abkühlung suchenden Einzelnen der Menge Schar.

Der Abend gehört den Plagegeistern kleiner stechender Natur, die zu tausenden herfallen über alles was Blut hat. Die Wohnmobile werden abgedichtet und auf der Freiterasse des Restaurants flüchten die Gäste.

Idylle nichts für Individualisten, die Ruhe suchen am Meer.

Im Hinterland weht ein kühlerer Wind, fast stechmückenfrei, ohne Massen an Menschen, Autos, Wohnmobilen. Gebührenfrei und mit der Ruhe, die der Reisende hier wohl sucht.

 

retour