6. November 2002

Zwischen meinen Welten.

 

Sitze zwischen meinen Welten, wie zwischen zwei Stühlen. Der Alte zerbröckelt und wird immer weniger brauchbar und der Neue ist noch schemenhaft in der Form im Werden, noch nicht stabil genug um ihn zu nutzen. Also sitze ich immer unbequemer auf dem Alten und warte.

Stagnation, Ruhe, zum Abwarten verdonnert. Unschön meine Situation. Meine Wohnung gekündigt, der Vermieter will selber einziehen. Wenige passende Wohnungen im Angebot, zu viele Bewerber dafür, laufend nur Absagen.

Neue Projekte laufen zäh, alles scheint unsicher, die Partner verunsichert, die Wirtschaft allgemein rückläufig, die Politik setzt keine neuen Impulse, die Wahl enttäuscht. Warten auf das große Wunder, die Wende hin zum Aufwind.

Eine Welt im Umbruch, meine auch. Möchte vorwärts schreiten und kann nicht. Würde gerne dem Winter entfleuchen und in den Süden fahren. Geht nicht, muss eine neue Wohnung finden. Jeden Mittwoch und Samstag die Anzeigen durchsuchen, nach der Nadel im Heuhaufen. Mühsames warten. Es nervt, das Warten, das Nichtstun.

Verbringe viel Zeit im Internet, mit Mails, in Foren, im Anschauen anderer Konzepte. Auch hier Suche nach neuen Impulsen für eine neue Ausrichtung. Mit 52 Jahren etwas schwerer, als mit Dreissig oder Vierzig. Bin nicht mehr zu jedem Risiko bereit, prüfe überlegter, auch spröder.

Würde gerne wieder Menschen beraten und diesen bei ihren Problemen helfen. Dies macht mir Spass und das kann ich. Aber im Moment suche ich selber Rat. Suche die Spur und finde sie nicht. Sitze also da, zwischen zwei Stühlen, zwischen zwei Welten, die beide in mir.

Wo ist der Horizont des Neuen, den ich herbeisehne. Fühle mich wie ein Seefahrer im großen Ozean, im Ausguck nach neuem Land. Ja, das ist der richtige Vergleich. Um mich eine grosse Weite, aber keine Insel, kein neuer Kontinent, nur mein Schiff voll altem Leben, Wissen und Erfahrungen. Meine Arche sucht neues Land. Bin Traveller durch Raum und Zeit, für dieses Leben und dem was dann folgt. Aber ich lebe jetzt, an einem stillen Platz, in wunderschöner freier Natur, auf meinem Berg und blicke virituell in die Ferne und durchs Fenster ganz nah. Suche einen neuen Platz zum Leben, zum Entfalten in Frieden und Glück. Etwas zu tun, was Spass macht und etwas einbringt, was einen durchs Leben trägt.

Seltsamer Zustand zwischen meinen Welten. Unruhe wechselt mit Ruhe, Geduld mit Ungeduld, Frustration mit Freude. Warte und hoffe, dass endlich die neue Welt sich zeigt, in der ich wieder unbeschwert weiter ziehen kann. Als Traveller durch diese Welt, dieses Leben, meine zeitlich begrenzte Welt.

retour