November 2013

Wie man sein eigenes Auto entführt

Vor rund fünfzehn Jahren war ich mit meiner damaligen Partnerin Susanne in meinem Wohnmobil in Spanien und Portugal unterwegs. Es war eine schöne Reise und auf der Rückfahrt wollte Susanne unbedingt noch Barcelona besuchen. Seltsamer Weise wollte ich diesmal nicht in die Stadt, obwohl ich diese gut kenne. Schon als wir in die Stadt fuhren standen an allen Strassenkreuzungen und Brücken Polizisten mit Maschinengewehren und spätestens da wollte ich definitiv nicht mehr in die Stadt hinein. Trotz einer massiven inneren Warnung fuhr ich dennoch weiter, denn ich wollte keinen Ärger mit Susanne haben. So fuhr ich mit ihr ins Zentrum und dann auf den “Hausberg” Montjuic, wo das Katalanische Nationalmuseum ist. Von dort hat man einen schönen Ausblick über die Stadt. Dort ist ein grosser Parkplatz mit Bäumen, wo wir parkten. Als wir danach diesen Parkplatz verlassen wollten, knallte mir an der Ausfahrt ein spanisches Auto in vollem Tempo in die linke Seite, drückte Kotflügel und Kühler zusammen und verbog das Rad mit Radaufhängung, so dass eine Weiterfahrt unmöglich wurde. Die Polizei kam, nahm alles auf und wir schafften es gerade noch auf den Parkplatz zurück zu rollen. Da standen wir nun und brauchten einen passenden Abschleppwagen, aber es kamen immer die Verkehrten, welche uns wie ein Auto hochziehen wollten. Aber dabei wäre das Wohnmobil umgefallen, was dann ein Totalschaden geworden wäre.  So gingen wir immer ins Katalanische Nationalmuseum zum Telefonieren und mit Hilfe des ADAC gelang es dann nach fast 48 Stunden Wartezeit auf dem Parkplatz endlich ein Abschleppfahrzeug für LKWs zu finden, welches mit einem Haken den vorderen Radbereich anhob und uns so in eine grosse Fiatwerkstatt in Barcelona schleppte.

Dort musste das Wohnmobil für eine Woche bleiben und wir wählten den Nachtzug nach Zürich, wo wir mit den wichtigsten Habseligkeiten, dann einen Anschlußzug nachhause fanden.

Nach etwas über einer Woche kam die Mitteilung, dass das Wohnmobil wieder fahrbereit sei und dies rund dreitausend Euro kosten würde. Also beauftragte ich meine Bank dies zu überweisen und ich flog an einem Freitag mit der Überweisungsbestätigung von Zürich nach Barcelona und dann mit Taxi zu der Fiatwerkstatt. Da sah ich dann eine halbe Reparatur eines nach spanischer Sicht fahrbereiten Fahrzeugs, aber immer noch mit total desolaten Kotflügel. Aber sie wollten mir das Wohnmobil nicht geben, da das Geld noch nicht auf ihrem Konto eingegangen sei. Ich solle nächste Woche wieder kommen. So begannen zahlreiche Telefonate immer mit Sprachübersetzung des ADAC, denn bei dieser grossen Fiatwerkstatt mit vier Meistern konnte keiner eine Fremdsprache. Dann zu meiner Bank in Deutschland und da stellte sich dann heraus, das Überweisungen nach Spanien immer über die Zentrale einer Bank in Madrid läuft und es Tage dauern kann, bis das Geld in Barcelona gut geschrieben wird. In Madrid war keiner mehr zu erreichen und die deutsche Bankbestätigung wurde nicht akzeptiert.

In der Werkstatt war eine Fahrstrasse in U-Form und mein Mobil stand in der Innenstrasse. Ich sass im Mobil und wartete und beobachtete die Situation. Nach Stunden der Hoffnungslosigkeit sah ich das alle Meister und die meisten Monteure in einem Nebenraum verschwunden waren. Da setzte ich mich ans Steuer und testete probeweise den Motor. Als das keiner bemerkte gab ich Gas und fuhr um die U-Kurve und in vollem Karacho aus der Werkstatt in den vollen Strassenverkehr. An der Ausfahrt musste ich voll abbremsen, um nicht selber einen Unfall zu verursachen, aber ich klemmte mich zwischen erschrocken abbremsende Pkws und erzwang so die schnelle Ausfahrt, denn ich sah im Rückspiegel einen Mann mir nachlaufen. Nun schlug ich mehrere Haken durch Seitenstrassen, bis ich endlich anhalten konnte, denn der defekte Kotflügel schlug immer auf dem Reifen auf. Zum Glück hatte ich eine Rohrzange im Wohnmobil und mit Hilfe dessen bog ich nun die Karosserie soweit hoch, das zwischen Reifen und Kotflügel mehr Freiraum war.

Da ich nicht wusste ob nun die Polizei mich suchen würde, galt es Spanien schnell zu verlassen. Aber ich fuhr lieber über die Landstasse und mied die Autobahn mit den Zahlstellen. Als ich Frankreich erreichte atmete ich auf und hier nutzte ich die Autobahn um schneller heimwärts zu kommen. Auf halber Strecke suchte ich mir einen abgelegenen Stellplatz, der auch die defekte Karosserie verbarg. Hier verbrachte ich eine unruhige Nacht und fuhr früh morgens gleich weiter. Unterwegs flackerte immer wieder die Kontrolleuchte der Lichtmaschine auf, was aber zum Glück nur ein Wackelkontakt war. Aber das reparierte Wohnmobil war ein recht unsicheres Gefährt mit fahrtechnischen Risiken. Über Grenoble erreichte ich die Schweiz und die Grenzer liessen mich problemlos durch. So kam ich dann mit meinem “geklauten” Wohnmobil schliesslich doch noch gut heim.

Danach ging dann noch der Stress mit meiner Versicherung weiter und es lohnte sich nicht in Spanien zu klagen, denn die Rechtslage war wacklig aufgrund widriger Umstände. Das Wohnmobil verkaufte ich dann mit viel Verlust an einen Händler. Diese Reise kam mir sehr teuer. Susanne beteiligte sich glücklicherweise mit einem Beitrag an der Reparaturrechnung, aber kurze Zeit später läutete sich das Ende unserer Beziehung ein. Es ist eigenartig wie dieser Unfall wie ein Voraussignal wirkte und unsere gemeinsame Zeit damit zu Ende ging. .

Copyright: Peter Burger

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