16. Juli 2011

Spiegelbilder

Nach einem guten persönlichen Telefongespräch tauche ich oft ein in die die Energie des Gesprächspartners und spiegle das zurück, was deren Impulse in mir ausgelöst haben. Das muss nicht der Andere sein, aber hat dennoch mit diesem zu tun. Denn es sind Reflektionen aus tieferen Schichten voll Träumen, Ängsten und Sehnsüchten.
Es ist so, als würde ich in die Schatten des Anderen leuchten, liebevoll hinein blicken und versuchen die Kellerkinder darin zu erkennen, zu begrüssen und denen im Aussen ein Gesicht zu geben, so wie ich diese gesehen habe. Gleichzeitig versuche ich die noch unerkannten grauen Gestalten der Seele zu erlösen.
Warum ich das mache? Vielleicht weil diese den Meinen ähnlich sind und indem ich es für andere mache, auch die Meinen damit erlöse.
Diese meine Besonderheit habe ich erkannt und angenommen. Dennoch verliere ich mich nicht mehr in den Themen der anderen. Diese Gefahr ist immer da und in jüngeren Jahren bin ich oft unbewusst viel zu tief eingestiegen, habe mich darin verloren und habe mitgelitten. Bis zu dem Zeitpunkt als ich erwachte, bewusster erkannte was da mit mir ablief. Seither fand ich Wege mich in den Welten der Anderen zu bewegen ohne mich selbst darin zu verstricken.
Eintauchen und mitfühlen immer wieder gerne, dem Anderen dies spiegelnd zeigen, aber dann wieder zu mir zurück zu kehren, sehend wer ich bin und was dies nun mit mir machte und mir selbst aufzeigte.
Jedes Mal tauche ich ein in eine Welt der Freude und der Dramen, welche einem Theaterstück der Weltgeschichte gleichen. Etwas, was sich immer wiederholt in tausenden von Leben. Der Urgrund all dieser Dramen besteht aus dem Wunsch nach Liebe, angenommen sein ohne irgendwelche Bedingungen, strebend nach dem unbeschwerten Licht der Sonne. So wie jeder Baum und Pflanze zum Licht strebt, so wollen alle Seelen frei wachsen, gedeihen und strahlen.
Wer das nicht kann, wird darum kämpfen und damit beginnt das Drama aller Leben, da der Kampf meist andere ausgrenzt, unterdrückt oder beschränkt auf die die eigenen Wünsche oder Projektionen. Damit entstehen die Höllen dieser Erde, welche man anderen antut und ebenso sich selber.
Draussen lacht die Sonne, unser Herz will mithüpfen, möchte ein unbeschwerter Teil des Ganzen sein.
Also spiegeln wir uns doch das Schöne, welches wachsen will, lachen und strahlen. Die Wurzel- und Kellerkinder gilt es zu sehen, liebevoll anzunehmen und behutsam ins Licht führen, damit sie in der Sonne tanzen, befreit von der Last der erdrückenden Dunkelheit.
Diese sanfte Erlösung ist mein Weg und so spiegle ich sie aus den Schatten ins Bewusstsein voll Licht, aus der Befreiung oft uralter Ketten, welche sich nun auflösen ins Nichts.

Copyright: Peter Burger

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