23. November 2008

Das Klassenfoto

Erste Klasse der gemischten Knaben- und Mädchenvolksschule in Landsberg am Lech.
Ich stehe in der zweiten Reihe, der Dritte von links. Rechts über mir in Lederhose ist Ingo Lehmann, der nun der OB von Landsberg ist. Alle anderen habe ich aus dem Auge verloren. Denn ein Jahr später ging ich hundert Kilometer entfernt in eine andere Schule. Mein Vater wurde dahin versetzt.

Als ich dieses Foto wiederfand und diese Kinder und Gesichter sah, überlegte ich, welche Leben und Schicksale sich daraus entwickelt haben mögen. Was für Beziehungen und Ehen, wieviel Kinder und Enkel daraus entstanden sein mögen. Welche Vielfalt daraus sich entwickelt hat ? Welche Berufe, welche Interessen, wieviel Häuser, wieviel Leid? Wer davon lebt nicht mehr, wer ist wo und wie mag es diesen jetzt gehen?

Würden wir uns heute begegnen, kaum einer würde sich noch erkennen, vielleicht auch nichts zu sagen haben. Bei anderen gäbe es einen Ahaeffekt und intensive Gespräche.

Ich erlebte es vor Jahren, als ich zufällig welche aus der späteren Schulzeit wiedertraf. Einer meiner engsten Schulkameraden wurde Designer und war damit aber psychisch gescheitert. Ein anderer, den ich in der Schulzeit nicht mochte, war mir nun richtig sympathisch. Was hatte sich da alles verändert. Die Menschen, meine Wahrnehmung, ich.

Das Klassenfoto lässt rückwärts blicken, für einen Moment innehalten auf dem Weg, welcher letztlich weiterführt, ins Ungewisse unserer ewigen Wandlung.