24. Dezember 2007

Was einem am Heilig Abend alles passieren kann

Die Grossmutter einer Jugendfreundin wohnte in der Olgastrasse, deswegen nannten wir sie nur die Olgastrassenoma. Sie war eine alte Dame mit Witz und Humor, sonst hätte sie diese eine Heilige Nacht kaum ohne Trauma überstanden.
Auf dem Heimweg verspürte sie noch ein dringendes Bedürfnis und strebte der um diese Zeit einzig offenen Toilette im Hauptbahnhof zu. Dieser war am Heiligabend fast menschenleer, so auch die Damentoilette. Sie eilte in eine Toilette und verrichtete ihre Notdurft. Als sie die Türe wieder öffnen wollte, klemmte das Schloss und die Türe liess sich nicht mehr öffnen. Sie rief um Hilfe, trommelte mit ihrer Handtasche gegen die Türe, vergeblich. Keine weitere Frau benutzte die Toilette, kein Mensch hörte sie. So sass sie auf der Toilette, die ganze Heilige Nacht.
Als sie frühmorgens den Putzeimer einer Reinigungsfrau hörte, war das wie das Christkind persönlich, da diese Frau sie bald darauf aus der misslichen Lage befreite.
Die Olgastrassenoma erzählte dieses Erlebnis wie ein Abenteuer, wofür andere weit reisen müssen. Sie nahm es mit Humor, wobei sie in jener Nacht der Verzweiflung nahe war. „Warum muss das ausgerechnet mir passieren.“

 

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