22. Januar 2006

Tiergeschichten sind immer wieder ursprünglich und lustig.

Letztes Jahr hüpfte ein Eichhörnchen durch meinen Garten und mein Hund hinterher. Darauf sprang das Eichhörnchen auf einen freistehenden Kirschbaum und schimpfte von dort erregt hinunter. Mein Hund Oskar stand minutenlang auf zwei Beinen und streckte seinen Blick nach oben. Schwanzwedelnd, denn er wollte mit dem “Kätzchen” ja nur spielen. Dieser Zustand hätte wohl noch länger angedauert, hätte ich meinen Hund nicht zurück gerufen und streichelnd festgehalten. Nach einer Weile nutze das Eichhörnchen die Chance, sprang vom Kirschbaum und flüchtete durch den Zaun ins Nachbargrundstück.
Dieser Hund auf zwei Beinen,. Blick nach oben und dabei in seiner Stimme fast singend redend, war urkomisch und ich schmunzle noch heute wenn ich daran denke. Leider war ich nicht so geistesgegenwärtig und habe nicht zur Kamera gegriffen.

Vor Jahrzehnten hatte ich eine Hündin, die ich mit der Flasche grossgezogen hatte und zu der ich dadurch ein ganz besonderes inniges Verhältnis hatte. Als diese etwa zwei Jahre alt war bekam sie sieben Junge und ich war bei der Geburt dabei und nabelte diese ab, rieb sie trocken und war als Geburtshelfer ganz nah dabei. Die Aufzucht von sieben Welpen strapazierte meine Hündin sehr und als diese sechs Wochen alt waren, gab ich ein Welpen nach dem Anderen in andere Hände. Nur einer blieb etwa zwölf Wochen bei seiner Mutter. Damals war der Fluss im Winter total zugefroren und mit meiner Hündin und noch drei Welpen wagten wir einen Ausflug über das Eis. Das war eine herrliche Rutschtour, der im Gänsemarsch hinter der Mutter hertrollenden Welpen. Einer rutsche auf den Anderen und alle drei auf die Mutter, die dann auch flach lag und die sichtlich froh war, als wir das Ufer wieder erreicht hatten.
Nachdem das letzte Welpen einen guten Platz bei einem jungen Mann gefunden hatte, war meine Hündin eine Weile traurig und daher “adoptierte” sie immer wieder andere Jungtiere. Auf einem Bauernhof war eine Kätzin wenige Wochen nach der Geburt ihrer Jungen verstorben. Nun turnten mehrere scheue sehe entkräftete Katzenkinder durch die Scheune und die Chancen für Überleben standen nicht gut. Mit viel Glück gelang es mir einen kleinen Kater einzufangen. Vom Fell her ein Halbangorakater, aber total abgemagert mit entzündeten Augen in jämmerlichem Zustand. Zunächst wusch ich die Augen mit warmen Kamillenwasser aus und besorgte ihm eine Vitaminspritze und kräftigende Nahrung, die er gierig frass. Nun legte ich ihn vorsichtig unter die Hinterbeine meiner Hündin und der kleine Kater nahm diese Wärme an und meine Hündin schleckte ihn wie eine Katzenmutter. Obwohl es ein längerer Überlebenskampf war, der Kater überlebte und Hund und Katz wurden zeitlebens ganz enge Freunde und spielten miteinander auf wunderbare Weise.

Der Kater dachte wie ein Hund und daher waren für ihn die Nachbarhunde kein Problem. Er wusste diese souverän zu nehmen und mit jedem Hund pflegte er einen anderen Umgang. Es war köstlich zu beobachten, wie er sich bei einem kleinen Pudel frech auf die Seite legte, dieser bellend angriff und der Kater gelegentlich etwas abwehrte. Dieses Spiel der Beiden konnte Stunden gehen.
Eine Verwandte in der Nachbarschaft hatte einen total verzogenen jungen Boxer, der immer wieder mal ausbüxte. Nun ging ich mit diesem und meiner Hündin spazieren und brachte ihm die einfachsten Regeln der Ordnung bei. Daher war der junge Boxer auch in unserem Garten zu Gast und versuchte frech meinen Kater zu ärgern. Doch dieser schlug mutig zurück und jagte oft erbost hinter dem Boxer her.
Mitten im Garten war ein rundes Vogelbad mit einem dichten Busch daneben. Darin versteckte sich mein Kater und der Boxer jagte im Kreis um dieses Rund und versuchte spielerisch anzugreifen. Aber an einer bestimmten Stelle kam der Kater regelmässig herausgeschossen und versuchte dem Boxer eine seiner Krallen zu zeigen. Daher wurde aus dem Rundkurs ein Oval, da der Boxer dort immer einen Haken schlug. Dieses Spiel dauerte oft eine halbe Stunde lang und dies filmte ich damals mit einer Super 8 Kamera. Alle paar Jahre hole ich diese Filme hervor und schaue mir diese tierischen Episoden wieder an. Jedesmal kann ich darüber neu lachen.

Mein derzeitiger Lebensgefährte Oskar, lustig und "frech wie Oskar" wuchs mit Kater Carlo auf. Zwei dicke Freunde, die herrlich miteinander spielten und rauften. Denen zuzusehen war eine wahre Freude und ich liebte beide gleichermassen sehr. Aber Carlo liebte auch seine Freiheit und streute weit über Wiesen und Felder, wo wir ihn auf unseren Rundgängen immer wieder mal antrafen. Sofort spielte die beiden wieder miteinander, während Carlo sich einfach auf die Seite legte und Oskar immer wieder mutig angriff und Carlo ihm mit den Tatzen konterte.

Letzten Herbst wurde Carlo von einem Auto überfahren und ich beerdigte ihn am Waldrand, dort wo er sich immer am Liebsten aufhielt. Er suchte seine Freiheit und sie wurde ihm zum Verhängnis und nun liegt er in voller Freiheit. Aber er fehlt uns sehr.

Ja Tiergeschichten berühren etwas in den Menschen, da darin so eine Ursprünglichkeit verborgen ist, wie sie unter Menschen eher selten sind.
 

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