24.September 2006

Täuschung im grossen Stil
David Copperfield auf Europatournee

Vor nichts hat Copperfield mehr Angst, als vor Kameras oder Videogeräten. Daher gibt es bereits am Eingang Handtaschenkontrollen und eine mehrfache Saaldurchsage verweist darauf, dass fotografieren und filmen verboten ist und dass die Securities die Kameras und die Benutzer „Verschwinden lassen“.

Auch wenn man bei vielen Tricks nicht viel mehr fotografisch festhalten könnte, als eine Momentaufnahme, so könnte man wohl die vielen Helfer im Hintergrund und aus dem Publikum fotografieren und dann feststellen wer dazu gehört und nicht Aktionsgast aus dem Publikum ist. Denn da mixt er geschickt zwischen tatsächlichen Besuchern und eigenen Akteuren.

Bevor die Show beginnt und auch dazwischen sind raffiniert gemachte Videos, die der Selbstbeweihräucherung dienen. So baut er sich mit Hilfe von internationalen Stars, Comics und früheren magischen Höchstleistungen derart auf, dass dann sein wirkliches Erscheinen als Person dagegen fast verblasst. Hier wirkt er charmant mit humorigen Worten, liveübersetzt von einem Dolmetscher. Seine bewusst eingesetzten Sprachverwechslungen, mal leise, dann wieder fast schon schreiend erzeugen beim Publikum ein humoriges Gelächter. So versteht er es sein Publikum in den Bann zu ziehen und durch viele Parallelaktionen verwirrt er dieses und lenkt in entscheidenden Momenten von sich ab. Daher entgeht dem Publikum das was dieses nicht sehen soll, wenn er ein Spielkartenset schnell an eine Assistenten abgibt und mit einem anderen weiterzaubert oder besser gesagt manipuliert. Diese Helfer am Rande sind ein perfekt eingespieltes Team, ohne die seine Show nicht funktionieren würde.

Neben vielen kleinen Zaubertricks überzeugen besonders seine Grossillussionen mit mächtigen Requisiten, die bis ins Publikum hinein ragen. Ob die massive Stahlplatte, durch die er auf geheimnisvolle Weise dringt oder der plötzlich in der Luft stehende riesige Cadillac, alles löst grosse Verblüffung bei den Zuschauern aus. Selbst die täuschend unechte Liveschaltung auf die Bahamas, wohin er und eine Zuschauerin (aus dem eigenen Team) sich beamen lässt, erweckt den Eindruck der Echtheit und ist wie eine zunächst traurige Geschichte mit Happy-End inszeniert.

Da immer eine Livekamera alle Zaubereien filmt und auf zwei bis drei Grossleinwände projiziert, wird zudem auf das hin abgelenkt, was die Besucher sehen sollen. Ein raffinierter Mix von Realaktion und inszenierter Ablenkung. Täuschung im grossen Stil, eines Meisters der Illusion, der dem fragenden Verstand der Masse der Zuschauer viele Rätsel aufgibt. David Copperfield ist ein Showmaster, der sich aller Tricks der modernen Technik bedient, selber dabei locker wirkt und das Publikum auf offener Bühne in seinen Bann zieht und diese geschickt verführt.

Ein Magier mit Hirn und Charisma, der dabei sehr gut verdient und dies in seinen Videos auch mitteilt. Keine Bescheidenheit, sondern eher Übertreibung ist die Methode zum Erfolg. Dass er dazu gut ist und sich technische Grossillussionen leisten kann, macht ihn zu dem was er in den Medien geworden ist. Zum grössten Magier aller Zeiten.

Dass die Eintrittspreise ähnlich gross sind, scheint viele Menschen nicht zu stören, obwohl die Halle in Dornbirn nicht ausverkauft war. Bei Euro 125 in den vordereren Reihen können sich derartiges sicher nicht mehr alle leisten. Wer dort war erlebte einen tollen Abend und hat einen der grössten Magier erlebt, der gerade von Las Vegas einen Abstecher nach Europa gemacht hat und einen Hauch dieser glitzernden Welt in eine nüchterne Messehalle brachte.

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