27. Juni 2005

Verschwommene Bilder

Seit Jahren gehe ich im Sommer immer an der gleichen Stelle schwimmen, eine Nische am Bodensee wo sich jeden Sommer die gleichen Menschen treffen. Neun Monate sieht man sich nicht, aber dann fast jeden Abend schwimmt man im warmen See, nickt sich zu und hält im Wasser und an Land kurze Schwätzchen. Es sind vertraute Gespräche, denn man kennt sich wie eine kleine eingeschworene Gemeinde, die alle nur das eine Ziel haben, im tiefen Wasser zu schwimmen.

Das sind Pärchen, Einzelgänger und Kinder. In den letzten Jahren kamen viele junge Russen dazu, die dahinter begeistert Volleyball spielen. Sie sind ein Satellitenstaat für sich, ein sprachlich anderes Ghetto unter uns Deutschen. Keine Kommunikation und doch ein friedliches Miteinander.

Jeder hat seinen eigenen Stil zu schwimmen und jeder seinen eigenen Weg im Wasser. Die Einen schwimmen kerzengerade hinaus so weit sie kommen, Andere immer seitlich entlang des Ufers um nicht mit Motorbooten zu kollidieren, die oft gefährlich nah am Ufer vorbei brettern. Diese Schwimmmuster sind über die Jahre fast immer gleich, nur selten verändern sich die Wege. Auch die Art zu schwimmen lässt eingefahrene Bewegungsmuster erkennen. Würden diese Wege Spuren hinterlassen, wie Kondensstreifen am Himmel, so würden grafische Muster zurückbleiben, fast wie moderne Malerei.

Jeder ein Pinsel auf einem Bild, das das Wasser dann wieder zerfliessen lässt in die Einheit.

Ich bin Teil dieses Gemäldes, bin Pinsel im Bild und forme mit, was ich heute wieder mal sah, kurz aber eindrücklich.

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