5.August 2005

Ich hatte einen Tagtraum:

Eine Komödiantentruppe mit Artisten und einem alten Clown wird nach Dharamsala eingeladen und spielt in einem Saal voller Mönche, in dem auch der Dalai Lama sitzt. Dieser sieht sichtlich amüsiert zu und in einer Pause fragt er den Clown, was dieser unter seiner Maske von den im Saal sitzenden Mönchen sehe.

Der Clown steigt schweigend von der Bühne, setzt dem Dalai Lama seine Perücke und rote Nase auf und schickt diesen auf die Bühne. Er selber setzt sich auf den Platz des ehrwürdigen Dalai Lama und winkt dem Buddhaclown auf der Bühne zu.

Dieser lacht, alle lachen, auch der Clown und fragt er den Dalai Lama: “Habt ihr mich verstanden als heiliger Clown vor meinen Augen? Habt ihr mich gesehen als bunter Buddha vor euren Augen?” Der Dalai Lama nickt und lacht: “Ja wir sind die Herren unserer Rollen, ob als Clown oder Mönch, wir spielen nur Rollen durch die das Göttliche dringt, das alles Eins ist, in dem wir gleich sind am Anfang und Ende dieses Seins.”

Der Clown ergänzt: “Jede Rolle ist ein Brennglas unterschiedlicher Stärke, durch die das Göttliche dringt. Sitze ich nur lange auf dem Platz des ehrwürdigen Dalai Lama, werde ich zum Brennglas seiner Schärfe und sitzt Du grosser Mönch unter meiner Glatze an meinem Platz, wird Deine Zunge so spitz wie die des besten Clowns. Egal was wir tun, welche Rolle wir ausfüllen in unserem Leben, wir tun es nur zu einem einzigen Zweck.” Der Dalai Lama nickt: “Ja um der Liebe und des Friedens Willens, die uns durchdringen wollen in ganzer göttlicher Kraft.”

Der Clown reicht dem Dalai Lama die Hand und führt ihn zurück in den Saal und übernimmt wieder seine Insignien des Clowns, schlüpft zurück in seine Rolle.

“Soll ich noch erklären was ich jetzt sehe?” Ein paar Mönche nicken. “Einen Saal voller Clowns, die einen bunt geschminkten Buddha erblicken.” Der Dalai Lama lacht, die Mönche lachen und dem Clown rinnt eine Freudentränen über die Wangen.

 

-Ach ja, gestern vor 96 Jahren ist meine Mutter geboren, sie starb vor 7 Jahren. Als ich sie auf dem Totenbett liegen sah, erblickte ich das Gesicht eines Buddha mit einem unendlichen Frieden und Präsenz im Antlitz. Erst im Tode erkannte ich, was das Leben in Masken und Rollen verstellt hatte.

 

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