10. August 2003

Lustige Erinnerung

Peter war früher Werbeleiter an einem Theater. Fünfundzwanzig Jahre ist das nun her. Vor kurzem erfuhr er, das sein damaliger Intendant letztes Jahr starb. Immer wieder dachte er an Alf Reigl, mit dem ihn eine Spur verband. Er begegnete ihm einst als Regisseur des "Gesang vom lusitanischen Popanz" von Peter Weiss. Eine tolle Aufführung mit der Ulmer Hochschule für Gestaltung war das damals. Peter, damals innerlich aufgewühlt vom Vietnamkrieg, schrieb das Theaterstück "Vikos, Samis und Heu". Er gab es Alf Reigl zu lesen und daraus entstand ein Kontakt, der Jahre später ihn ans Theater führte. Drei Jahre arbeitete er am LTT in Tübingen. Die Stelle wurde für Peter neu geschaffen und er füllte dies mit großer Begeisterung aus, dem Theater zum Nutzen. Im Vertrag hatte er auch eine Schauspielverpflichtung, da dies einen Steuervorteil brachte. So mußte er mindestens einmal im Jahr eine Rolle übernehmen. Statisterie mit ein paar kurzen Worten. Dies auch in "Das Ende vom Anfang" des irischen Autors Sean O’Casey. In diesem Stück erscheinen ganz am Schluß ein Arzt, eine Krankenschwester und ein englischer Bobby. Peter, von Statur ein Zweimetermann durfte den Bobby spielen, bekam einen Uniformmantel, Hose, passende Schuhe und einen hohen Helm, der ihn noch viel größer erscheinen lies. Die Krankenschwester war extrem breit und der Arzt vertrocknet dürr. Eine Überraschungspointe für die Zuschauer, die daran ihren Spaß hatten. Da das LTT ein Landestheater war, wurde nicht nur in Tübingen und Reutlingen gespielt, sondern auch in zahlreichen anderen Gastspielorten. Mit dem hauseigenen Theaterbus wurde man herum gekarrt und spät nachts kehren alle sichtlich müde nach Tübingen zurück. Eine dieser Aufführungen war auch in Schwäbisch Hall und dorthin kam auch der Intendant mit, um gleich mit den Organisatoren vor Ort Gespräche zu führen. Während der Aufführung unterhielt sich Peter mit Alf Reigl in der Männergarderobe so intensiv, das beide die Durchsagen des Inspizienten überhörten. Plötzlich die Durchsage, "Peter als Bobby auf die Bühne". Er war noch nicht im Kostüm, sondern saß in seiner Alltagsjeans neben dem Intendanten. Es blieben nur noch Sekunden, so schlüpfte er in den Uniformmantel, setzte sich den Helm auf und rannte ohne Schuhe zur Bühne. Kaum einer sah das Malheur. Der Mantel ging fast bis zum Boden, verdeckte die blaue Jeans und der Polizist ohne Schuhe war froh, als der Vorhang fiel. Normalerweise hätte dies eine Verwarnung nach sich geführt. Aber da der Intendant mit daran beteiligt und ein lieber Mann war, wurde daraus keine Tragödie gemacht. Es war eine lustige Panne, die noch heute Peter zum Schmunzeln bringt. Nun ist Alf Reigl verstorben, aber in Peter lebt er weiter. Ist eine Spur seines Lebens und lustige Erinnerung zugleich.

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