August 2001

Axel’s Burg

Vor ein paar Jahren kreuzten sich unsere Wege, er lebte unweit von mir in einem Dorf bei Stockach. In einem uralten Bauernhaus lebte spartanisch der Kunsthandwerker und Lebenskünstler Axel. Er gestaltet skurrile Kleinmöbel (siehe www.traumobjekte.de) und formt altes Silberbesteck zu Objekten, zu Hausgeistern wie er sie nennt. Er stammt aus Berlin, war dort ein Original der Künstlerszene, begeisterte als Liedermacher auch auf der Gitarre. Nach der Wende hielt er es dort nicht mehr aus und kam über gewisse Zufälle an den Bodensee und fand da neue Freunde. Eine Freundin dort kannte mich und brachte uns beide zusammen. Zunächst telefonierten wir stundenlang und stellten viele Gemeinsamkeiten fest, dann beteiligte er sich an zwei meiner Künstlermärkte und bei dem Weihnachtsmarkt in Radolfzell versuchten wir zwei seiner Herzstühle zugunsten der SWF-Aktion Herzenskinder zu versteigern. Ich als Auktionator vor laufender Kamera vor einem uninteressierten Publikum. Das war schon kurios. Da er aus dem Bauernhaus ausziehen musste und das Zwischendomizil bei einer Freundin ihm zu eng wurde, suchte er weiter nach seinem Platz, wo er sich in seiner ganzen Vielfalt entfalten könnte. Und über so einen verrückten “Zufall” landete er nun auf Burg Amlishagen bei Gerabronn im Hohenlohischen. Eine große alte Burg mit mächtiger Schildmauer, vor wenigen Jahren vom Landesdenkmalamt aufwendig restauriert träumte dort seinen Dornröschenschlaf, denn die Besitzer fanden lange nicht den richtigen Betreuer. Nun scheint dies Axel`s Burg zu sein. Auf neun Jahre daran gebunden, hat er darin Bleibe, Werkstatt und Ausstellungsraum gefunden. Aber führt auch die Besucher durch die Burganlage und erzählt was es historisch zu erzählen gibt und was der reichhaltigen Phantasie seines Geistes entspringt. So hat er viele Weinbergschnecken dort angesiedelt und manches Schneckengehäuse bunt bemalt. Jede Schnecke hat ihren Namen und so mit ihnen erzählt der den Kindern wundersame Märchen aus vergangenen Zeiten. Einen Eckturm gestaltet er gerade zu einem rustikalen Hochzeitszimmer um, wo die erste Nacht zum Inferno der Lust werden kann, wo selbst der Brunftschrei ungehört verhallt. Die ersten Hochzeiten haben sich schon angemeldet, wollen dort auch ihr Fest und Mahl ausrichten. Ein Schwarm von Fledermäusen werden sie in die Nacht begleiten, ebenso wie der Falke, die Eulen und neckische Siebenschläfer. Einer dieser Genossen sitzt oft in Axels Wohnung, schaut von einer freiverlegten Wasserleitung auf ihn herunter oder versteckt sich hinter einem Bild. Die Leinwand hat schon eine runde Beule, gegen die sanft geklopft, der Bursche herausspickt und in einem Loch in der Wand verschwindet. Alle Essensvorräte müssen hier gut gesichert sein, denn viele Mitesser knabbern daran und hier zu nächtigen ist nichts für ängstliche Seelen. Da knistert es beständig im Gebälk, viele kleine Geister sind hier aktiv. Im Burggraben leben Feuersalamander und noch so einige besondere Überraschungen gibt es hier.

Das ideale Reich für Axel und seine Phantasie. Im Hof parken seine schrill bemalten Oldtimer, die gerade den TÜV wieder überstanden. In einem anderen Raum baut er seine Spielzeugautosammlung zu einem Museum auf. Er sprüht hier vor Ideen, erkundet alle Räume auf Akustik und geheime Kammern. Scheint heimgekehrt an einen Platz innerer Welten, die nun im Außen ihren Raum gefunden zu neuem Leben hier sich nun entfalten. Wie der Prinz der Dornröschen wachgeküsst zu neuem Leben führte, belebt er nun die Welt seiner Träume, entfaltet sich in seiner Burg.

Ein Lebenskünstler voller doppelbödig Witz, der Narr der Burg herrscht über sein Reich zur Freude seiner Gäste.

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